11.02.2010

Daumenlutschen

Wann Sie Ihr Kind davon abhalten sollten

Der Saugreflex gehört zu den Urinstinkten jedes Neugeborenen. Schon im Mutterleib nuckeln sie an ihrem Daumen, wie Ultraschallbilder immer wieder belegen. Das Nuckeln und Saugen gibt ein Höchstmaß an Geborgenheit, das auch ohne die unmittelbare Nähe der Mutter beruhigt und tröstet.

In den ersten zwei Lebensjahren, die auch als orale Phase bezeichnet werden, ist es ganz normal, dass Babys und Kleinkinder am Daumen lutschen oder am Schnuller nuckeln. Es besteht auch kein Grund zur Sorge, wenn Ihr Kind mit Schnuller oder Daumen im Mund besser einschlafen kann als ohne. Erst wenn Ihr Kind jenseits seines dritten Lebensjahres immer noch nicht ohne Schnuller einschlafen kann, sollten Sie hellhörig werden.

Schnuller und Daumen abgewöhnen

  • Wenn Sie bemerken, dass Ihr Kind seinen Daumen als Ersatz für den Schnuller nutzt, sollten Sie ihm lieber zunächst einmal seinen Schnuller zurückgeben. Denn der Vorteil des Schnullers liegt auf der Hand: Ihn kann man später wegwerfen – sogar mit großem Pomp und Abschiedszeremoniell dem Mülleimer übergeben, der Daumen hingegen bleibt verfügbar, ihn können Sie nicht abschrauben.
  • Um Ihrem Kind das Daumenlutschen oder Nuckeln am Schnuller abzugewöhnen, gibt es mittlerweile viele Mittelchen, etwa bitter schmeckende Cremes, die auch für Menschen, die an Ihren Nägeln kauen, eingesetzt werden. Auch das Anstechen des Schnullers kann eine gute Methode zum Abgewohnen sein, da dadurch der Schnuller seine Saugkraft verliert. Vielleicht wirft Ihr Kind dann seinen Schnuller weg. Das könnte der Sieg über das Nuckeln sein. Auf jeden Fall sollten Sie Ihr Kind in dieser Zeit besonders liebevoll unterstützen.  
  • Bestrafen Sie nicht Ihr Kind, sondern loben Sie es stattdessen für jeden Abend, den es ohne seinen Daumen oder Schnuller im Mund verbringt. Ein Punktesystem ist gerade für kleinere Kinder besonders anschaulich. Auf einer bunten Tafel werden die Erfolge vermerkt und ab einer bestimmten Anzahl gibt es ein Geschenk.
  • Für den Beginn der Entwöhnung vom Schnuller empfehlen Experten in etwa den achten Lebensmonat, weil sich in dieser Zeit der Saugreflex zu einem Kaureflex umbildet. Geben Sie Ihrem Kind vielleicht zunächst einfach einen Beißring o.ä.
  • Generell gilt: Kinder, die laufen können, sollten ihren Schnuller nur noch zum Einschlafen bekommen. Wenn sie tagsüber das Bedürfnis nach Beruhigung überkommt, sollten sie in der Lage sein, ohne Schnuller auszukommen.
  • Auch die Zeit, die mit dem Schnuller verbracht wird, sollte begrenzt werden. Keinesfalls ist es ratsam, den Schnuller an einer Kette, die am Pulli oder T-Shirt befestigt wird, ständig verfügbar zu haben. Das muss auch gar nicht sein, denn das Saugbedürfnis hört bei den meisten Kindern bereits nach einigen Minuten wieder auf.
  • Auch die passende Lektüre kann helfen, den Abschied vom Schnuller zu erleichtern. Empfehlenswert sind beispielsweise: "Nick braucht keinen Schnuller mehr" oder "Ein Bär von der Schnullerfee".

Solange Ihr Kind lediglich seinen Daumen als Hilfe braucht, um in den Schlaf zu kommen, besteht kein Grund zur Sorge. Ist die Intensität jedoch sehr viel höher, gilt es die Angewohnheit Ihres Kindes im Auge zu behalten: Einerseits um langfristig körperliche Schäden (Zahnstellung, Kieferverformung etc.) möglichst frühzeitig zu erkennen bzw. abzuwenden, und andererseits um die Nöte, die Ihr Kind bewegen, als solche anzuerkennen und zu beseitigen. Bedenken Sie, dass kein Kind ohne Grund über die Maßen nuckelt.

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