14.01.2010

Die orale Phase

Jetzt wird alles in den Mund gesteckt

Sobald Babys greifen können, stecken sie alles in den Mund, was irgendwie hineinpasst: Die eigene kleine Hand, manchmal sogar beide gleichzeitig, die Zehen, Spielzeug, Krümel vom Teppichboden. Zungen und Lippen sind in den ersten beiden Lebensjahren wichtige Sinnesorgane.

Babys lernen ab dem fünften Monat Dinge am besten kennen, wenn sie diese in den Mund stecken. Der Tastsinn ist besser entwickelt als das Hör- oder Sehvermögen. Beim Lutschen oder Kauen untersuchen sie genau, ob der Gegenstand weich oder hart, kühl oder warm ist. Der Entdeckungsdrang ist groß - alles wird in den Mund gesteckt. Für die Eltern keine leichte Aufgabe, ihr Kind in der oralen Phase vor scharfen, giftigen und leicht verschluckbaren Gegenständen zu schützen.

Orale Phase unterstützen

  • Ihre Wohnung sollte sauber sein, aber nicht steril. Die meisten Keime sind für Babys ungefährlich. Sie stärken sogar sein Immunsystem. Lieblingsgegenstände, die Ihr Kind ständig in den Mund steckt, sollten Sie regelmäßig säubern. Kuscheltiere können in der Waschmaschine gewaschen werden, Holz- und Kunststoffspielzeuge heiß abgespült werden. Die Schnuller sollten Sie täglich abkochen. Bitte lecken Sie nicht den Schnuller sauber, da Sie dadurch Ihre Bakterien auf Ihr Kind übertragen.
  • Räumen Sie gefährliche Gegenstände weg. Vor allem kleine Dinge wie Steine, Münzen, Klammern sollten nicht herumliegen. Auch Nahrungsmittel wie Weintrauben, Erdnüsse, Bonbons können für Ihr Kind gefährlich werden. Ihr Kind kann noch nicht richtig kauen und die Gefahr ist zu groß, dass es sich verschluckt und nach Luft ringt. Auch Arzneimittel, Parfüms, Zigaretten, giftige Pflanzen sollten außer Reichweite gestellt werden, da vor dem Entdeckungsdrang Ihres Kindes jetzt nichts mehr sicher ist.
  • Fördern Sie die orale Phase, indem Sie Ihrem Kind die Möglichkeit geben, auch Lebensmittel mit der Hand und dem Mund zu untersuchen. Am Esstisch darf ruhig mal gemanscht und gekleckert werden, um Gurke, Nudel oder Brot genau zu untersuchen. Den Kau- und Knabberdrang fördern Sie, wenn Sie Ihrem Kind weiche Gurken oder Brötchen geben. Zusätzlich wird das Wachstum der Zähne unterstützt und die Muskulatur der Zunge trainiert. Bieten Sie Ihrem Kind Spielzeug an, was es unbedenklich in den Mund stecken kann. 
  • Keine Angst vor Schmutz draußen. Auch auf dem Spielplatz darf es ruhig etwas schmutzig sein. Selten treten ernsthafte Erkrankungen auf, nur weil sich Ihr Kind im Sand gewälzt oder an der Rutsche geleckt hat. Schmutz in Maßen hat eine heilsame Wirkung.

Schnuller und Trinkflaschen

Der Mund dient nicht nur der Lernerfahrung, sondern auch einer sinnlichen Lust. Zur Beruhigung braucht Ihr Kind etwas im Mund. Intensive Saugbewegungen und der vertraute Geschmack des Schnullers oder der Flasche geben Trost und Ablenkung. Doch sollten Schnuller und Flasche nicht ständig griffbereit sein. Stetiges Nuckeln am Schnuller ist schlecht für die Zahnstellung. Gleiches gilt für Trinkflaschen. Die Dauerumspülung der Zähne, auch mit zuckerfreiem Tee, kann den Zahnschmelz schädigen. Die Trinkflasche sollte angeboten werden, wenn Ihr Kind Durst hat, und nicht zum Trost oder als Aufmerksamkeitsersatz dienen.

Weiterführende Literatur:

Syvia Höfer: Quickfinder Babys erstes Jahr. 2009.

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