09.03.2010

Trocken werden

Abschied von der Windel

Zum Glück steht das Sauberwerden nicht mehr so im Mittelpunkt der Erziehung und der kindlichen Entwicklung. Die Zeiten sind vorbei, in denen die Kinder, sobald sie laufen konnten, auf das Töpfchen gesetzt werden. Doch spätestens, wenn der Sprössling in den Kindergarten gehen soll, sollte er doch tagsüber trocken sein - so glauben viele Eltern.

Auf das Töpfchen zu gehen, verlangt von Kleinkindern einen hohen Preis. Schnell ist es passiert, dass die Toilette nicht rechtzeitig erreicht werden kann und das „Missgeschick“ passiert ist. Damit nach den ersten Erfolgserlebnissen nicht die Unsicherheit des Kindes wächst, sollten Sie den Abschied von der Windel möglichst locker gestalten. Sauberkeitserziehung, wie sie früher praktiziert wurde, verursacht nur Stress bei Groß und Klein, sonst nichts.

Der richtige Zeitpunkt

Verabschieden Sie sich von der Vorstellung, dass Ihr Kind der Norm entsprechen sollte. Jedes gesunde Kind wird eines Tages trocken, Jungen häufig später als Mädchen. Ein bevorstehender Kindergartenbesuch sollte Sie nicht unter Druck setzen. Lieber ein selbstbewusster Einstand mit Windeln, als ein ängstlicher Versuch ohne.

  • Erst wenn Reifezeichen wie Sprachverständnis, Imitieren, Ordnungssinn und Nachlassen des Trotzes sichtbar sind, ringen sich die meisten Kinder dazu durch, auf das Töpfchen zu gehen.
  • Ab dem dritten Lebensjahr sind viele Kinder körperlich und geistig so reif, dass sie spüren, wenn die Blase voll ist.
  • Sie sollten zudem ein gewisses Zeitgefühl entwickeln und einschätzen können, wie lange es braucht, um zur Toilette zu laufen, die Hose herunterzuziehen und sich hinzusetzen.

Die Beherrschung des Schließmuskels und die Fähigkeit, sich ausdrücken zu können („Mama ich muss mal!“), gehören ohne Zweifel zu denjenigen Elementen im Reifungsprozess des Trocken-Werdens, die nicht von außen zu steuern
sind. Begleiten Sie Ihr Kind einfühlsam und geben Sie die nötige Unterstützung.

Wenn mal etwas daneben geht

Ungeduld und genervte Blicke, wenn mal ein Missgeschick passiert ist, helfen nichts. Nehmen Sie einfach einen Satz Wechselwäsche mit, wenn Sie mit Ihrem Kind bei Freunden oder auf einem längeren Stadtbummel sind. Helfen Sie verständnisvoll beim Umziehen und ermutigen Sie Ihr Kind: „Beim nächsten Mal schaffst du es früh genug!“ Lob und Anerkennung ist für Ihren Nachwuchs wichtig. Seien Sie allerdings nicht zu überschwänglich. Ihr Kind bekommt sonst den Eindruck, dass seine neu gewonnene Fähigkeit einen ganz besonders hohen Stellenwert für die Eltern hat. Auch sollten Sie nicht den Fehler machen, Ihr Kind besonders zu belohnen, sonst erwartet es womöglich nach jedem erfolgreichen Gang zur Toilette ein Stück Schokolade o.ä. Viel wichtiger ist es, dass Ihr Kind das Gefühl gewinnt, selbst einen Schritt weitergekommen zu sein.

Irgendwann ist es geschafft und Ihr Sprössling ist zuverlässig trocken. Zumindest tagsüber. Der Abschied von der Windel kann sich in der Nacht noch ein wenig länger hinziehen. Haben Sie Geduld und sparen Sie nicht mit Windeln für die Nacht – „nur für alle Fälle“. Wacht Ihr Kind drei Nächte hintereinander mit einer trockenen Windel auf, können Sie es ja mal ganz ohne versuchen.

Weiterführende Literatur:

Kreisel, H.-J./ Zemme, V.: Mein Kind braucht keine Windel mehr: Trocken und sauber - ohne Zwang. 2007.

© vitawo 2010