16.02.2010

Beruf und Kind

Wie viel Zeit braucht Ihr Nachwuchs?

Kinder haben häufig den Wunsch, viel Zeit mit ihren Eltern zu verbringen. Doch gerade berufstätige Eltern hetzen oft von Termin zu Termin. „Nie hast Du Zeit“ ist ein oft gehörter Satz, der den meisten Eltern einen kleinen Stich versetzt. Trotzdem gibt es natürlich Grenzen für das Unterhaltungsbedürfnis Ihres Kindes. Sie sind weder der Animateur für Ihr Kind noch ein Garant für die Abschaffung der Langeweile.

Auch Eltern haben Recht auf eine Pause. Wenn Sie gerade erst nach Hause gekommen sind, kann Ihr drei- bis sechsjähriges Kind durchaus begreifen, dass Sie sich nicht sofort ins Kinderzimmer begeben und ihm zur Verfügung stehen. Eine Auszeit von einer halben Stunde sollte möglich sein, damit Sie die Balance zwischen Beruf und Familie finden. Versuchen Sie Ihrem Kind klar zu machen, dass Sie nach einer ruhigen Tasse Tee ausgeruhter und besser gelaunt sind.

  • Denken Sie daran, dass es bei der gemeinsam verbrachten Zeit eher auf die Qualität der Zeit als auf deren Quantität ankommt.
  • Wenn Sie partout gerade keine Zeit haben, wäre es falsch, um jeden Preis nachzugeben – nicht nur problematisch für Sie, sondern auch falsch für Ihr Kind. Schön ist es nämlich nicht, wenn es das Gefühl hat, dass sich Mama oder Papa gerade nur sehr widerwillig mit ihm beschäftigen und eigentlich innerlich auf dem Sprung sind.
  • Schlagen Sie Ihrem Kind vor, was es machen könnte, ohne es mit expliziten Spielaufgaben einzuschränken. Ein Satz wie „Mal mir doch ein schönes Bild“ kann unter Umständen zu eng gefasst sein. Vielleicht hat Ihr Kind schon den ganzen Nachmittag gemalt, gerade keine Lust oder fühlt sich im schlimmsten Fall sogar abgeschoben. Besser ist es zu sagen: „Bereite doch in Deinem Zimmer schon einmal etwas Schönes zum Spielen vor. Ich komme in einer halben Stunde und dann spielen wir in aller Ruhe.“ Vielleicht empfängt Sie Ihr Kind mit einem Lego-Szenario, vielleicht mit einem Stoß ausgewählter Bilderbücher oder einem zur Höhle umfunktionierten Bett.
  • Halten Sie unbedingt Ihre Versprechen! Wenn Sie von Ihrem Kind erwarten, nicht gleich nach Dienstschluss über Sie herzufallen, sollte es auch von Ihnen erwarten können, sich an Ihre Verabredungen verbindlich zu halten.
  • Um dem Gemeinschaftsbedürfnis entgegen zu kommen, sollten Sie jeden Tag eine gewisse Zeit für Ihr Kind reservieren. Das kann, muss aber nicht immer um dieselbe Uhrzeit geschehen. Der Vorteil: Ihr Kind kann sich darauf verlassen, dass Mama oder Papa beispielsweise abends tatsächlich Zeit haben.
  • Mindestens einmal pro Woche sollte „Kindertag“ sein: Ihr Kind darf sich wünschen, was es mit Ihnen unternehmen möchte. Jedes Spiel wird solange gespielt bis es auch tatsächlich zu Ende ist. Durch diese ungeteilte Aufmerksamkeit vergewissert sich Ihr Kind Ihrer Liebe, gewinnt an Selbstvertrauen und lässt sich nicht so leicht aus seiner emotionalen Bahn werfen, wenn Sie einmal weniger Zeit haben. Auch Ihnen wird es gut tun, regelmäßig gemeinsam aufzutanken.

Weiterführende Literatur:

Jakob, R.: Management Mama. Wie Sie Familie und Beruf erfolgreich unter einen Hut bekommen. 2008.

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