06.10.2009

Patchwork-Familien

Herausforderungen für berufstätige Eltern

Immer mehr Mütter und Väter gehen in einer modernen Gesellschaft arbeiten und verbinden Beruf und Familie. Gleichzeitig steigen die Ehescheidungen und die Anzahl so genannter Patchwork-Familien, wenn sich getrennt lebende Mütter und Väter mit ihren Kindern zu einer neuen Gemeinschaft formen. Bei einer neuen Beziehung müssen sich nicht nur die Kinder an viele Veränderungen gleichzeitig gewöhnen. Auch berufstätige Erwachsene stehen vor großen Herausforderungen.

Für neue Partner/innen:

  • Kinder sind die größten Leidtragenden bei einer Trennung. Verabschieden Sie sich als neuer Partner von dem Gedanken, irgendetwas erzwingen zu können – weder Liebe noch Respekt stellen sich auf Kommando ein.
  • Nehmen Sie kindliche Reaktionen wie Wut, Zorn und Eifersucht nicht zu persönlich. Geben Sie dem Kind Zeit, seinen Trennungsschmerz zu verarbeiten. Lassen Sie ihm Raum für Eifersucht und Misstrauen. Haben Sie Verständnis dafür, wenn es den leiblichen Elternteil lieber hat als Sie. Als neuer Partner Sie Vater oder Mutter nicht ersetzen, aber eine wichtige Bezugsperson werden.
  • Halten Sie sich anfangs bei der Kindererziehung besser zurück. Der leibliche Elternteil bleibt der Chef in der Erziehung und Sie als neues Familienmitglied sollten assistierend wirken. Schlafenszeiten, Fernsehdosis und Ordnungsgrad im Kinderzimmer bleiben weiterhin Sache des leiblichen Elternteils.
  • Als neuer Partner müssen Sie sich aber auch nicht alles gefallen lassen. Sie müssen sich nicht mit Nudeln bewerfen lassen und dürfen auch Streithähne trennen – eine enorm ausbaufähige Rolle, die allerdings klein anfängt.
  • Berücksichtigen Sie, dass die elterliche Sorge bei beiden ehemaligen Partnern bleibt und dass der ehemalige Partner in vielen Dingen mitentscheiden kann.

Für leibliche Mütter und Väter:

  • Sabotieren Sie nicht den Kontakt Ihres Kindes zum anderen leiblichen Elternteil.
  • Sind regelmäßige Besuche nicht möglich, sollten Sie dafür sorgen, dass sich Ihr Kind an den abwesenden Elternteil erinnern kann. Sehen Sie sich gemeinsam Fotos an, oder erzählen Sie Geschichten von früher. Das tut nicht nur Ihrem Kind gut, sondern fördert auch die Beziehung zum neuen Partner.
  • Achten Sie unbedingt darauf, dass Sie als leibliche Eltern im direkten Kontakt zueinander stehen und nicht allein durch Ihr Kind in Verbindung bleiben.
  • Zeigen Sie Ihrem Kind Ihre Liebe und vermitteln Sie ihm das Gefühl, dass es Ihnen genauso wichtig ist wie vor der Trennung.

Wenn ein Kind seine Bedürfnisse aussprechen kann, wird es eher bereit sein, sich auf neue Verhältnisse einzulassen. Das allein glückselig machende Modell für ein Zusammenleben von Eltern und Kindern in Patchwork-Familien gibt es nicht. Was Kinder brauchen, um glücklich und zufrieden aufzuwachsen, bleibt dasselbe – unabhängig davon, ob sie in einer Patchwork-Familie leben oder nicht.

Weiterführende Literatur

Bliersbach, G.: Leben in Patchwork-Familien, 2007.

© vitawo 2010