Doch einige Lehrer nutzen gezielt kommerzielle Computerspiele, nicht nur Lernsoftware, erfolgreich im Unterricht.
Freizeit vs. Schule
Computerspiele gehören für 80 Prozent der deutschen Jungen und 50 Prozent der Mädchen mittlerweile zum Alltag. Das fand die „JIM-Studie 2008“ des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest heraus. An deutschen Schulen haben die Spiele aber meist nichts zu suchen.
- Angestachelt durch die Medien werden Computerspiele wie Ego-Shooter als Auslöser für Gewalt gesehen.
- Lehrer sind nicht unbedingt medienpädagogisch geschult, scheuen den Einsatz von computerunterstütztem Lernen.
- Auch viele Eltern sind überzeugt, dass Computerspiele „unproduktiv“ sind, sie die Konzentrationsfähigkeit verschlechtern und ausreichende Bewegung verhindern.
Im Ausland, wie in Schottland und Japan, wird das anders gesehen. Dort gehören Computerspiele zum festen Schulalltag – eine Entwicklung, die auch in Deutschland Schule machen könnte. Denn Computerspiele und das „Daddeln“ sind überraschend gut für den Lernprozess.
Vorteile
In einer österreichischen Untersuchung durften 150 Schüler von 11 bis 19 Jahren drei Monate im Unterricht mit kommerziellen Computerspielen lernen – mit großem Erfolg.
- Die Lehrer beobachteten eine hohe Motivation und Lernbereitschaft.
- Die Schüler empfanden das Lernen nicht mehr als Lernen, fanden es leicht und angenehm.
- In die Kritik (Suchtpotential, Steigerung der Gewaltbereitschaft) geratene Spiele wie „Worlds of Warcraft“ oder „Counter Strike“ regten ältere Schüler zum kritischen Hinterfragen an.
- Fächerübergreifend konnten durch Spiele wie „Zoo Tycoon 2“ Inhalte transportiert und durch weitere Lernaktionen verstärkt werden. Bei dem englischen Spiel lernten die Schüler Vokabeln, als Zoodirektoren lernten sie die Aufzucht und Pflege exotischer Tiere kennen, was im Deutsch- und Biologieunterricht durch Tierbeschreibungen und die Erkundung der natürlichen Lebensräume der Tiere intensiviert wurde. In Kunst konnten die Kinder „ihre“ Tiere malen. Sie mussten Verantwortung für sich, ihr Lernen und auch für andere übernehmen.
Bildungsexperten sehen Computerspiele also nicht durchweg negativ, so dass Eltern ein Stück weit beruhigt sein dürfen. Auch wenn das Lernen mit dem Computerspiel nicht aus sich selbst kommt, sondern vor allem geschulte Begleiter braucht.
Weiterführende Literatur
Pirker, B.: Schöne bunte Medienwelt: Was macht mein Kind im Medien-Dschungel?, 2009.




