Im Alter von elf oder zwölf Jahren sind die wenigsten Kinder in der Lage, fundiert entscheiden oder auch nur ein wirkliches Interesse feststellen zu können. Wie auch? Und die Pubertät - die Zeit der großen Umstellung und zumeist auch der großen Schulunlust - folgt erst noch. Doch für welchen Schüler ist Französisch und für welchen ist Latein eher die geeignete Sprache?
Französisch
- In einem immer stärker zusammenwachsenden Europa ist es nur natürlich, die Sprache zu erlernen, die neben Englisch, Chinesisch und vielleicht noch Spanisch als wichtigste Handelssprache der Welt fungiert. Französischkenntnisse sind deshalb von großem Vorteil, zumal sehr gutes Englisch ohnehin künftig als selbstverständlich angenommen werden wird.
- Dass Französisch auch den Zugang zu den schönen Künsten eröffnet, spricht ebenfalls für sich. Außerdem gilt die Sprache als besonders klangvoll.
- Ein weiteres, eher hartes Argument: Genau wie Latein ist Französisch eine romanische Sprache und erleichtert damit das Erlernen jeder weiteren romanischen Sprache wie Italienisch, Spanisch oder Portugiesisch.
- Und natürlich kann es auch jede Menge rein private und ganz handgreifliche Gründe geben, die für die Wahl von Französisch sprechen, z. B. ein Ferienhaus in Frankreich oder ein älteres Geschwisterkind, das bereits rege Austauscherfahrung gesammelt hat und ganz begeistert ist von Jean-Pierre in Avignon.
Latein
- Als Hauptargument führen überzeugte Latinisten in der Regel an, dass Latein allgemein das Denkvermögen schule, Grammatikkenntnisse (sowohl des Lateinischen als auch des Deutschen) grundlege und vertiefe und damit ganz allgemein die Fähigkeit verbessere, Texte zu verstehen.
- Einige Studienfächer setzen zudem das Latinum voraus.
- Latein diszipliniert. Zwar wollen auch französische Vokabeln regelmäßig gelernt werden, aber Latein ist denn doch mehr Arbeitsaufwand (Erinnern Sie sich noch an sämtliche Deklinationen, Konjugationen und unregelmäßige Verben?)
- Trotzdem nützt Latein in der Schulzeit erst einmal nichts. Im Gegensatz zum Französischen hat Latein keinerlei Praxisrelevanz (abgesehen von der Fähigkeit vielleicht, Fremdwörter besser herleiten und verstehen zu können). Latein ist Teil der Bildung, nicht – wie eher das Französische – Teil einer Ausbildung.
- Ein wichtiger Unterschied zum Französischen wird zudem gern übersehen: Unterrichtssprache im Lateinunterricht ist deutsch. Dies hat zwei Konsequenzen. Erstens versucht man, lateinische Texte in ein gutes Deutsch zu übersetzen, was der Beherrschung der Muttersprache und deren Grammatik zu Gute kommt. Zweitens haben damit auch alle diejenigen Schüler eine Chance, gute Noten zu erhalten, denen die mündliche Beteiligung eher schwer fällt – erst Recht das Parlieren in einer Fremdsprache.




