24.02.2010

Schlafmangel in der Pubertät

Jugendliche sind „geborene Morgenmuffel“

Deutschlands Schüler müssen zu früh aus den Federn. Lernpsychologen und Schlafforscher fordern schon seit langem, dass der Schulbeginn nach hinten geschoben werden sollte, weil dies dem Biorhythmus der Kinder und Jugendlichen besser entspreche. Doch hat sich trotz jahrelanger Diskussion bis heute am generellen frühen Schulbeginn um spätestens 8 Uhr früh nichts geändert.

Dabei bekräftigen neuere Studien, dass vor allem die Teenager heutzutage zu wenig Schlaf bekommen. Nach Ansicht von Wissenschaftlern helfe es auch nichts, die Jugendlichen früher ins Bett zu schicken, denn ihr Tagesrhythmus unterscheide sich von dem der Kinder und Erwachsenen, und ihre „innere Uhr“ lasse sich nicht beliebig verstellen. Die meisten Jugendlichen neigen dazu, spät abends ins Bett zu gehen und morgens lange liegen zu bleiben. Doch ist in der Woche spätes Aufsehen nicht möglich. So schlafen die meisten in der Woche wesentlich weniger als die neun Stunden, die ihnen gut täten. An den Wochenenden würden sie am liebsten erst mittags aufstehen. 

Verändertes Schlafverhalten

Was oft als Marotte oder Aufmüpfigkeit in der ohnehin schon schwierigen Lebensphase der Pubertät verschrien wird, ist als entwicklungsbedingtes „Delayed Sleep Phase Syndrome“ bekannt. Während Kinder in der Regel meist Frühaufsteher sind, verschieben sich die Schlafpräferenzen mit der beginnenden Pubertät hin zu einem späteren Schlafbeginn – mit einem Höhepunkt etwa zu Beginn des 20. Lebensjahres.
Möglicherweise verändern hormonelle Umstellungen und Veränderungen den Schlaf-Wachrhythmus direkt oder indirekt. Eventuell werden bestimmte Schlafhormone – wie beispielsweise Melatonin – bei Teenagern später in der Nacht ausgeschüttet als bei Kleinkindern oder auch bei Erwachsenen, wodurch der Schlaf in die späten Abendstunden verschoben wird. Die innere Uhr ändert sich, ohne dass die Schulkinder dies maßgeblich beeinflussen könnten, und wichtige Tiefschlafphasen treten erst in den Morgenstunden ein.

Auch die Lebensweise und der Tagesrhythmus ändern sich. Man trifft sich nun eher abends mit seinen Freunden, macht noch Sport, oder geht auf Partys oder ins Kino. Diese Aktivitäten sind wichtig auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Kein Wunder, dass der Schlaf zu kurz kommt.

Folgen des Schlafmangels

Bekommen Jugendliche auf Dauer zu wenig Schlaf, ist die Leistungsfähigkeit eingeschränkt, der Wachstumsprozess verlangsamt sich, Stress kann nicht mehr optimal abgebaut werden. Jungendliche mit einem chronischen Schlafdefizit sind daher tagsüber müde, wirken unausgeglichen und nervös. Schlafmangel kann auch lernpsychologische Folgen haben. Denn erst im letzten Drittel des Schlafes werden die komplexen Lernvorgänge des Vortags fest ins Gedächtnis geschrieben, erklären Wissenschaftler. Wenn morgens um sieben Uhr der Wecker klingelt, sind die Jugendlichen noch „auf Schlaf gepolt“. Erst gegen neun Uhr setzt die Leistungsfähigkeit ein. Mit anderen Worten: Der frühe Unterrichtsbeginn schadet dem Lernen, ein späterer Schulanfang dagegen könnte die Leistungen der Schüler auf Dauer steigern.

Schlafrhythmus ist wichtig

Neben zu wenig Schlaf kommt häufig noch ein unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus hinzu. Einmal um 21 Uhr, dann um 24 Uhr ins Bett gehen, in der Woche immer morgens früh um sieben Uhr aufstehen, am Wochenende bis zum Mittagessen schlafen. Ein regelmäßiger Schlafrhythmus kann zu mehr Wohlbefinden und Ausgeglichenheit führen. Daher sollte zumindest während der Woche auf regelmäßige Schlafzeiten geachtet werden. Am Wochenende sollte das Ausschlafen begrenzt werden, damit der Schlafrhythmus nicht vollkommen durcheinander gerät.

Weiterführende Literatur:

Haug-Schnabel, G./Schnabel, N.: Pubertät: Eltern-Verantwortung und Eltern-Glück: Wie Sie Ihr Kind beim Erwachsenwerden begleiten. 2008.

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