Doch es gibt auch die ganz anderen Kinder, diejenigen, die sich lieber still zurückziehen, um zu malen, anstatt in der Nachbarschaft zu spielen. Wenn Sie Eltern eines solchen Kindes sind, haben Sie es in gewisser Weise leicht (und werden sicher das eine oder andere Mal beneidet um so ein „pflegeleichtes“ Exemplar). Andererseits haben Sie es aber auch besonders schwer, weil Sie nicht ohne Weiteres erkennen können, ob Ihr Kind glücklich ist oder nicht, ob es sich wieder einmal nur etwas zurückziehen will oder ernstlich Kummer hat.
Erkunden Sie Ihr Verhalten!
- Machen Sie zunächst den Selbsttest und bedenken Sie, inwiefern Sie z. B. im Umgang mit anderen Menschen als Vorbild fungieren. Wenn Sie als Mensch selbst eher schüchtern sind, setzen Sie damit für Ihr Kind eine Art Marke, anhand dessen es sein Verhalten normal finden kann. Außerdem führen auch erbliche Faktoren, wie etwa Schüchternheit eines Elternteils zu einer Art Anfälligkeit, ebenfalls eher schüchtern zu werden.
- Versuchen Sie nicht, Ihr Kind durch Argumente zu ändern. Der Befehl „Nun lach doch mal!“ hat noch niemanden mit echt empfundener Freude erfüllt. Sorgen Sie lieber dafür, dass Ihr Familienalltag Freude transportiert. Ob dabei dann tatsächlich lauthals gelacht wird, ist gar nicht mehr so wichtig.
- Seien Sie aufmerksam, aber überinterpretieren Sie das Verhalten Ihres Kindes nicht.
- Hellhörig sollten Sie allerdings werden, wenn sich das Verhalten Ihres Kindes plötzlich ändert. Das deutet meist auf Ereignisse, die einer Klärung bedürfen.
- Auffällig ist ebenfalls, wenn die große Ernsthaftigkeit Ihres Kindes mit anderen atypischen Verhaltensweisen (z. B. erhöhte Aggressionsbereitschaft, Konzentrationsschwäche) oder medizinischen Befunden (Appetitlosigkeit, Schlafstörungen) einhergeht. Dann sollten Sie den Rat Ihres Kinderarztes suchen.
Ernst ist nicht depressiv
Haben Sie keine Angst, Ihr Kind wäre depressiv! Studien der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e.V. (DGKJP) zu Folge haben nur etwa zwei Prozent aller Grundschulkinder eine Depression und sogar nur 0,8 Prozent aller Kindergartenkinder. Insofern sollte man mit dem Etikett „Depression“ nicht sorglos umgehen, und es besteht auch keine große Wahrscheinlichkeit, dass ausgerechnet Ihr Kind an dieser ernsthaften Erkrankung leiden könnte.
Weiterführende Literatur
Rossmann, P.: Einführung in die Entwicklungspsychologie des Kindes- und Jugendalters. 2012.



