07.01.2010

Typisch Junge

Angeboren oder erzogen?

Kleine Jungen sind wild, laut, aggressiv, kämpferisch und schließen sich im Kindergarten gern zu Banden zusammen. Sie setzen sich durch und finden Mädchenspiele blöd. Jungen lieben Actionfiguren, Pistolen und alle Arten von Stöcken. Typisch Junge?

Einfluss der Hormone

An dieser Frage scheiden sich die Geister. Bereits im Mutterleib werden viele Eigenschaften, die wir als typisch männlich oder weiblich wahrnehmen, festgelegt. Fest steht, dass bereits ab der siebten Schwangerschaftswoche beim Embryo Sexualhormone gebildet werden, die auf die Entwicklung des Gehirns Einfluss nehmen – bei Jungen anders als bei Mädchen. Bei männlichen Embryos wird fleißig Testosteron gebildet, das energiegeladenes, lautstarkes und ungestümes Verhalten begünstigt.

Erziehung und Rollenbilder

Sollte dann alles entschieden sein, wenn das Baby auf die Welt kommt? Der heutige Forschungsstand besagt, dass neben der genetischen Veranlagung auch die Umwelt und gesellschaftlichen Rollenbilder maßgeblich Einfluss auf die kindliche Entwicklung haben. Bei der Erziehung machen Eltern offenbar früh einen Unterschied. Kleinen Jungs wird mehr Freiheit beim Toben und Entdecken zugestanden. Mit Mädchen wird mehr gesprochen und gekuschelt. Die Folgen sind schon im Kleinkindalter zu beobachten, in einer Phase, wo die Hormone noch keine entscheidende Rolle spielen. Die kleinen Kerle bewegen sich selbstbewusster und sicherer. Mädchen hingegen sind kommunikativer und sozialer.

Auch sind die Erwartungen an Jungen hoch. Nicht nur Mädchen, sondern auch die Jungen selbst glauben, dass sie körperlich stärker sind. Ein bestimmtes Geschlechterverhalten wird schon im Kleinkindalter von Eltern und Freunden gelernt. Früh erkennen die kleinen Kerle, wie wichtig  jungentypisches Verhalten ist, um einer bestimmten Gruppe anzugehören. Sie nutzen jede Gelegenheit, um zu beweisen wie stark sie sind. Spaß an wilden Rangeleien und lautstarkem Schreien gehören ebenso dazu wie die Nachahmung von männlichem Verhalten. Tatsächlich aber unterscheiden sich Jungen und Mädchen – vom Geschlechtsunterschied abgesehen – erst in der Pubertät in ihrer Körperkraft. Die Wahrnehmung vom starken Jungen lässt sie kräftiger wirken.

Liebe kleine Kerle

Die meisten Eltern haben keine Schwierigkeiten mit einem wilden, frechen und lauten Sohn. Sie machen sich aber Gedanken, wenn ihr Sohn weich, nachgiebig und einfühlsam ist. Doch den typischen Jungen und das typische Mädchen gibt es nicht. Es gibt auch keine typisch männlichen oder weiblichen Gefühle oder Eigenschaften.

Es ist wichtig, dass sich Kinder so entwickeln können wie die Natur es für sie vorgesehen hat. Wenn Ihr Sprössling eher schüchtern und zurückhaltend ist, sollten Sie das so akzeptieren. Schreiben Sie ihm nicht vor, dass "richtige Jungen" wild und vorlaut zu sein haben. Versuchen Sie nicht, ihn zu ändern und zu einem aufmüpfigen Kind zu erziehen. Kleine wilde Jungen brauchen vor allem selbstbewusste Eltern, die auf sie eingehen, ihnen aber deutlich ihre Grenzen zeigen.

Weiterführende Literatur:

Pollack, W./Parada von Fischer, E.: Jungen: Was sie vermissen, was sie brauchen. 2009. 


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