Hitzige Diskussion
In Fachkreisen ist das Sitzenbleiben kontrovers diskutiert. Macht es Sinn, einem Kind eine „Ehrenrunde“ zuzumuten? Wird es nicht mit noch mehr Langeweile reagieren, wenn es nicht nur ein volles Jahr lang seine Defizite aufarbeiten, sondern auch das noch einmal hören muss, was ihm vielleicht leicht gefallen ist? Es gleich in die nächste Klasse weiterzuschicken und zu sehen, wie weit es mit seinen Leistungsschwächen kommt, wäre aber genauso ungerecht. Pädagogen sehen die Notwendigkeit einer Umgestaltung der Lernumgebung. Individuelles Lernen heißt das Zauberwort. Die Schüler sollen nicht mehr nach Lehrplänen unterrichtet werden, sondern in „Kompetenzmodellen“ selbst ihr Lernen und Fortkommen steuern können.
Klasse wiederholen macht Sinn
Bis es so weit ist, müssen Eltern ihren Nachwuchs unterstützen, denn Wiederholen macht beim Lernen tatsächlich Sinn. Etwas zu wiederholen, verankert es tiefer im Gedächtnis. Aber dennoch sollte der Lernstoff häppchenweise gelernt werden. Auch Pausen sind wichtig, damit sich das Erarbeitete „setzen“ kann.
Tipps für den Umgang mit der „Ehrenrunde“
- Auch wenn das Zeugnis schlecht ist und Ihr Kind sitzen bleibt, ist das nicht das Ende der Welt. Bleiben Sie ruhig und zeigen Sie Verständnis.
- Bedenken Sie, dass die Ehrenrunde auch für Ihr Kind eine Belastung ist. Es verliert den sozialen Halt, kann nicht mehr neben seinen Freunden sitzen, empfindet es als Demütigung, mit Jüngeren zusammen lernen zu müssen.
- Bestrafen Sie Ihr Kind nicht, das hilft ihm nicht zu verstehen. Akzeptieren Sie es, wie es ist und zeigen Sie ihm, dass sie es lieb haben – mit allen Macken und Schwächen.
- Analysieren Sie gemeinsam, wie es dazu kommen konnte, wo die Probleme lagen. Überlegen Sie sich dann, was geändert werden kann. Suchen Sie gemeinsam die Themen heraus, die besonders schwer gefallen sind, und versuchen Sie hier einen individuellen Lernplan aufzustellen. Setzen Sie sich gemeinsam „Meilensteine“, wann welche Fertigkeit „sitzen soll“, und belohnen Sie Ihr Kind, wenn es sie erreicht.
- Besorgen Sie sich Bücher oder besuchen VHS-Seminare über Lernstrategien und testen Sie mit Ihrem Kind, was ihm am besten hilft.
- Vielleicht gibt es tiefere Ursachen für „Lernblockaden“: Fehlsichtigkeiten, Hörprobleme oder auch Lernschwächen. Suchen Sie Rat bei Ihrem Arzt, sollten Sie einen solchen Verdacht hegen.
Weiterführende Literatur




