24.11.2009

Sexualaufklärung

Heiße Eisen beherzt anfassen

Wissen Sie noch, wann Sie aufgeklärt wurden und von wem? Fanden Sie es peinlich, sich diesen "Vorgang" vorzustellen, oder waren Sie froh? Wie dem auch sei: Spätestens am Ende seiner Grundschulzeit sollte Ihr Kind aufgeklärt werden und wissen, wie Kinder entstehen.

Sich vor diesem Thema zu drücken, ist nicht nur feige, sondern verspielt auch die Chance, Ihrem Kind in einem Alter das Gefühl für die Normalität des Sexuellen zu geben. Wenn Sie es nicht informieren, wird es jemand anderes tun. Bestenfalls ist es ein Lehrer. Vielleicht ist es aber auch ein selbst wenig informierter Mitschüler mit blühender Fantasie, der Ihr Kind mit seltsamen Details verunsichert und es womöglich wegen seiner Unkenntnis auslacht.

Offenheit ist das A und O

Immer noch scheuen viele Eltern vor diesem Thema zurück, weil Sie nicht offen damit umzugehen wissen. Nehmen Sie sich selbst den Druck, indem Sie dreierlei bedenken:

  1. Erst Ihre Befangenheit angesichts dieses Themas macht das Thema selbst zu etwas Seltsamem. Die manchmal peinlich berührt scheinende Reaktion von Kindern spiegelt im Grunde nur Ihre Berührungsängste wider. Erst dadurch, dass Sie angesichts dieses Themas Scham empfinden, glaubt Ihr Kind, es handele sich um etwas Unanständiges.
  2. Kinder, die gezielt Fragen stellen, sind reif genug, die entsprechenden Antworten zu verarbeiten. Das gilt für Sexualität ebenso wie für Krankheit und Tod.
  3. Sexuelle Aufklärung markiert kein Ereignis, sondern einen Prozess. Jeden Tag, wenn Sie nach der Dusche halbnackt über den Flur laufen, klären Sie Ihr Kind auf. Sie klären es auf, wenn Sie Ihren Partner küssen und wenn Sie oder eine Freundin von Ihnen schwanger wird.

Tipps für das offene Gespräch

  • Beantworten Sie jede Frage, die Ihnen gestellt wird, aber forcieren Sie nichts. So kann Ihr Kind Timing und Geschwindigkeit, mit dem sein Informationsbedarf gestillt wird, selbst bestimmen. Allzu weitschweifige oder detailreiche Vorträge sind meist eher hinderlich.
  • Fragen Sie Ihr Kind, was es schon weiß und was es noch wissen möchte. Dann haben Sie ein abgestecktes Themenfeld und es fällt Ihnen leichter sachlich zu bleiben. Nehmen Sie Ihr Kind in seinen Antworten unbedingt ernst, auch wenn Sie im Einzelfall vielleicht schmunzeln müssen.
  • Ziehen Sie unter Umständen Bücher zu Rate, die dieses Thema kindgerecht aufbereiten.
  • Vermeiden Sie Verniedlichungen, sondern bleiben Sie bei den korrekten Bezeichnungen. Bringt Ihr Kind aus der Grundschule seltsam erscheinende Vokabeln mit, sollten Sie die korrekten Begriffe immer wieder einstreuen. Unflätige Bemerkungen sollten Sie sofort unterbinden. Machen Sie Ihrem Kind klar, dass bestimmte Wörter verletzend sind und es gar keine Notwendigkeit gibt, sie zu benutzen.
  • Manchmal kann es einfacher erscheinen, wenn die Fragen des Kindes vom gleichgeschlechtlichen Elternteil beantwortet werden. Wenn es sich so ergibt, sollten Sie es aber unbedingt vermeiden, in Verbrüderung zu verfallen und aus Ihrem Sohn einen kleinen Mann oder Ihrer Tochter eine kleine Frau zu machen.
  • Halten Sie keine Anatomie- oder Physiologievorlesungen, sondern versuchen Sie Ihrem Kind klar zu machen, dass Geschlechtsverkehr vor allem mit Liebe und Zuneigung zu tun hat.

Weiterführende Literatur:

Thor-Wiedemann, S.: Wachsen und erwachsen werden: Das Aufklärungsbuch für Kinder. 2007.

 

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