09.06.2010

Stress bei Kindern

Termine streichen – freie Zeit schaffen

Montag Musikschule, Dienstag Fußballtraining nach der Nachhilfe, Mittwoch Besuch bei den Großeltern, Donnerstag Pfadfinder-Gruppentreffen, Freitag Kindertheatergruppe. Dazu kommen noch die täglichen Hausaufgaben und die Besuche bei Freunden. Der Terminkalender vieler Kinder ähnelt dem eines Managers. Die Kinder fühlen sich unter Druck gesetzt und sind erschöpft.

Einige Kinder stecken voller Tatendrang und wollen alles ausprobieren. Häufig sind es aber die Eltern, die ihren Nachwuchs drängen, nach der Schule mehreren Hobbies nachzugehen. Für Kinder bedeutet es Stress, wenn fast ausnahmslos jeder Nachmittag der Woche mit Terminen gefüllt ist. Vor allem, wenn sie sich diese Aktivitäten nicht selbst ausgesucht haben. Die Folgen des zunehmenden Drucks auf die Kinder sind unübersehbar. Mehr als die Hälfte aller Kinder klagt über Erschöpfungszustände und Stress.

Stress erkennen

  • Bauch- oder Kopfschmerzen,
  • Appetitlosigkeit,
  • Ihr Kind schläft schlecht / nachts nicht durch,
  • Ihr Kind ist gereizt, steht ständig unter Strom,
  • Ihr Kind zieht sich zurück,
  • Ihr Kind geht nicht (mehr) gern zur Schule,
  • die Schulnoten werden schlechter.

Stress vermeiden

  • Das beste und wirkungsvollste Mittel gegen Stress ist Bewegung. Ein Kind, das tobt, baut Spannungen ab und verhindert, dass neue Spannungen entstehen.
  • Entrümpeln Sie den Terminkalender Ihres Kindes. Mindestens zwei Tage in der Woche sollten von Terminen freigehalten werden. Bringen Sie Ihrem Kind bei, Prioritäten zu setzen. Welche Hobbies sind wichtig und welche nicht. 
  • Lassen Sie Ihr Kind so weit wie möglich über seine Freizeit bestimmen. Termine, die sich Ihr Kind ausgesucht hat, führen deutlich weniger zu Stress als von außen aufgezwungene Aktivitäten.
  • Geben Sie Ihrem Kind die Gelegenheit, nach Lust und Laune zu spielen. Nicht hinter jeder Aktivität muss ein von den Eltern festgelegtes Lernziel stehen.
  • Die Eltern sind wie in vielen anderen Bereichen auch hier wichtige Vorbilder. Haben Sie einen vollgepackten Terminkalender und lassen Sie Ihre Kinder spüren, dass Sie ständig im Stress sind und wenig Zeit zur Verfügung haben, stecken Sie damit auch Ihre Kinder an. Leben Sie stattdessen eine gewisse Gelassenheit vor.
  • Achten Sie auf den Medienkonsum. Der Fernseher oder der Computer sind keine Entspannungsmittel. Ganz im Gegenteil: Neben dem Terminstress und dem Leistungsdruck ist ein übermäßiger Medienkonsum der Hauptfaktor für Stress bei Kindern.
  • Langeweile ist eine wichtige Quelle von Kreativität und Eigeninitiative. Deshalb darf Ihrem Kind auch mal langweilig sein. Es ist nicht nötig, dass ein "Mir ist langweilig" automatisch dazu führt, dass Sie Ihrem Kind Anregungen für neue Spielmöglichkeiten geben.
  • Schaffen Sie Ihrem Kind eine "Oase der Ruhe" - eine Kuschelecke im Kinderzimmer, die Sie mit Kissen und Decken ausstaffieren und in die sich Ihr Kind zurückziehen kann, wenn es allein sein will.

Weiterführende Literatur

Seiffge-Krenk, I./Lohaus, A.: Stress und Stressbewältigung im Kindes- und Jugendalter. 2007.

 

© vitawo 2010