06.12.2007

Studie Nummer gegen Kummer 2007

Ergebnis der zentralen Studie

Immer mehr Kinder, Jugendliche und Eltern suchen Trost und Rat bei der "Nummer gegen Kummer"

  • Dachorganisation des Kinder- und Jugendtelefons und Elterntelefons in Deutschland veröffentlicht Studie 2007
  • Mehr als 3.500 ehrenamtliche Beraterinnen und Berater der "Nummer gegen Kummer" führten 2006 fast 240.000 Beratungsgespräche
  • Beziehungsprobleme bedrücken Jugendliche am meisten
  • Eltern zunehmend überfordert bei der Erziehung ihrer Kinder

Anonyme und fachkundige Beratung für Kinder und Jugendliche sowie für Eltern hat in Deutschland Konjunktur. Das ist eines der zentralen Ergebnisse der Studie, die der Verein Nummer gegen Kummer e.V. am 5. Dezember 2007, dem Welttag des Ehrenamtes, im Beisein der Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom in Berlin vorstellt.

"Im Laufe der Kindheit und Jugend stellen sich ganz entscheidende Weichen für das spätere Leben. Gerade in der Pubertät eskalieren Konflikte oft, ohne dass die Ursachen wirklich offen gelegt werden", sagt die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Ursula von der Leyen. "Die "Nummer gegen Kummer" und das Elterntelefon sind eine kluge und wirksame Anlaufstelle für alle, die einfühlsam und unkompliziert Unterstützung suchen - das gilt für Kinder und Jugendliche genauso wie für Mütter und Väter. Ihnen allen helfen die vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer in ganz Deutschland dabei, den richtigen Weg im Umgang miteinander zu finden. Dieses freiwillige Engagement ist grundlegender Bestandteil einer Gesellschaft mit menschlichem Gesicht", so die Ministerin.

Seit 27 Jahren bietet der Verein "Nummer gegen Kummer", der Mitglied im Deutschen Kinderschutzbund ist, Kindern, Jugendlichen und Eltern kostenlose Beratung bei Alltagsproblemen und in schwierigen Situationen an. Unterstützt wird sie dabei seit 1991 durch die Deutsche Telekom, die bereits die erste Studie im Jahr 2005 ermöglichte.

Am Kinder- und Jugendtelefon werden alle denkbaren Entwicklungsprobleme angesprochen. Während Jungen sich eher mit persönlichen Fragen beschäftigen, sprechen Mädchen eher Problembereiche an, die ihr soziales Umfeld betreffen. Häufigstes Themengebiet für Mädchen ist "Partnerschaft und Liebe" mit 35 % (Jungen = 24 %). Bei männlichen Jugendlichen spielt "Sexualität" mit 30 % eine vorrangige Rolle in den Gesprächen (Mädchen 20%).

An das Elterntelefon wenden sich die meisten Anruferinnen und Anrufer, weil sie sich in Erziehungsfragen alleingelassen fühlen und nicht genau wissen, wie sie den Alltag mit ihren Kindern meistern sollen. Somit stehen hier in erster Linie Fragen der Beziehung zu den Kindern und der "richtigen" Erziehung in Vordergrund der Beratungen.

Gerade wegen der Authentizität der Untersuchungsergebnisse ist die Studie der "Nummer gegen Kummer" von großer Bedeutung. Sowohl für alle Menschen, die sich mit den Belangen von Kindern, Jugendlichen und Eltern beschäftigten, als auch für die fachliche und wissenschaftliche Diskussion.

Klaus Hurrelmann, Professor für Sozial- und Gesundheitswissenschaften an der Universität Bielefeld und Mitautor der Studie, sieht vor allem in diesem unverfälschten Blick auf die Lebenswirklichkeit von Kindern, Jugendlichen und Eltern den eigentlichen Wert der Untersuchung: "Anders als die durch Interviewer gesteuerten und vermittelten Befragungen bei den Kinder- und Jugendstudien melden sich die Ratsuchenden am Kinder- und Jugendtelefon sowie am Elterntelefon selbst, auf eigene Initiative. So gelingt es, authentisch die Fragen und Probleme zu erfassen, die die Ratsuchenden von sich aus und unbeeinflusst artikulieren. Das kann keine auch noch so gut angelegte gezielte Befragung von Kindern, Jugendlichen und Eltern schaffen.", so Hurrelmann.

Mehr als 3.500 ehrenamtliche Beraterinnen und Berater der "Nummer gegen Kummer" führten 2006 fast 240.000 Beratungsgespräche. Für den Vorsitzenden des Vereins, Jens Wöhler, ein deutliches Anzeichen für die Notwendigkeit dieser anonymen und schnell erreichbaren Form der Hilfe und Unterstützung mit jährlich steigendem Bedarf. "Die enorme Bandbreite der Sorgen und Nöte der vielen Kinder, Jugendlichen und Eltern spiegelt sich in den unterschiedlichen Themen der Beratungsanfragen wider. Sowohl vom Umfang und ihrer Aktualität her als auch durch ihre thematische Offenheit sind diese Daten einmalig in Deutschland. Hier wird deutlich, was junge Menschen und Erziehende aktuell beschäftigt, und vor allem, was sie belastet", betont Jens Wöhler. "Die Studie zeigt wo Hilfe  ansetzen muss, um sie sinnvoll zu unterstützen und in ihrer Entwicklung zu begleiten", so Wöhler.

In einer beachtlichen Detailtiefe verdeutlicht die vorliegende Studie, welche Fragen und Probleme jungen Heranwachsenden und ihren Eltern am Herzen liegen und welche Rückschlüsse sich daraus ziehen lassen. Die Studie zeigt nicht nur, wo in unserer Gesellschaft Probleme liegen, sondern sie belegt vor allem auch, welche enormen Leistungen möglich sind, wenn engagierte Bürgerinnen und Bürger, freie Träger der Jugendhilfe - und hier vor allem der Deutsche Kinderschutzbund -, staatliche Stellen und verantwortungsbewusste Unternehmen sich gemeinsam diesem wichtigen sozialen Handlungsfeld annehmen und ein unverzichtbares Beratungsangebot wie die "Nummer gegen Kummer" unterstützen. 

Im Rahmen ihres gesellschaftlichen Engagements unterstützt die Deutsche Telekom die "Nummer gegen Kummer" seit 1991 sowohl finanziell als auch mit technischem Know-how. "Wir sind uns als Unternehmen unserer Verantwortung für die Gemeinschaft sehr bewusst. Die soziale Partnerschaft mit dem Verein Nummer gegen Kummer ist ein Beispiel unseres breit gestreuten sozialen Engagements", betont René Obermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom. Das Unternehmen ermöglichte unter anderem 1997 die Einrichtung einer kostenlosen Rufnummer für das Kinder- und Jugendtelefon und 2001 für das Elterntelefon. Produkte und Dienste der Telekom sind Grundlage für die technische Durchführung des Beratungsangebotes beispielsweise beim Routing oder der Anonymisierung der Anrufe sowie der Internetberatung.

Pressemitteilung vom 5.12.2007
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

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