Schlimme Folgen
Mit einer leichteren Form des Fetalen Alkoholsyndroms werden jährlich schätzungsweise bis 15.000 Kinder geboren. Hierbei müssen die Mütter keine Alkoholikerinnen sein. Ab und zu ein Gläschen oder gelegentlich ein Schluck zu viel können schon ausreichen. Experten vermuten, dass Hyperaktivität und Lernbehinderung bei vielen Kindern daher rühren. Damit ist Alkohol in der Schwangerschaft die häufigste Ursache für angeborene Entwicklungsstörungen bei Kindern. Im Vergleich dazu: mit Down-Syndrom kommen jährlich nur rund 800 Babys auf die Welt.
Alkohol gefährlichste Droge in der Schwangerschaft
In der Schwangerschaft gelangt der Alkohol über die Plazenta direkt zum Embryo. Der Alkoholspiegel des Ungeborenen steigt rasant an und es ist betrunken. Die Leber des Embryos ist noch nicht reif genug, um den Alkohol abzubauen. Irreversible Schäden an den Organen und vor allem am Gehirn sind die Folgen. Besonders sensibel sind die ersten drei Monate, in denen die Organe des Embryos entwickelt werden. Vom vierten bis sechsten Monat beeinflusst der Alkohol das Wachstum des Ungeborenen. Das Risiko einer Fehlgeburt steigt an. Ab dem siebten Monat macht das Ungeborene noch einmal einen Wachstumsschub. Da hier auch das Gehirn deutlich an Volumen zulegt und sich die Zellen miteinander vernetzen, schadet Alkohol in dieser Phase besonders stark.
Nicht ein „Schlückchen“
Jedes Glas Alkohol ist schädlich, denn es sind nicht nur Kinder alkoholabhängiger Frauen betroffen. Auch schwangere Frauen, die nur gelegentlich Alkohol trinken, können ein Baby mit fetalem Alkoholsyndrom bekommen. Denn jeder Körper baut unterschiedlich stark Alkohol ab. Daher kann man nicht feststellen, ab welcher Menge Alkohol schädlich für das Baby ist. Einzige Sicherheit bietet hier die Null-Promille-Grenze – d.h. kein Alkohol in der gesamten Schwangerschaft.
Kinder leiden ihr Leben lang
Die ersten sichtbaren Zeichen bei den Kindern sind Minderwuchs und Untergewicht, zu kleiner Kopfumfang (Mikrozephalie), kleine, schräge Augenöffnungen, eine kurze, flache Nase, eine zu schmale und dünne Oberlippe oder eine fehlende Rinne zwischen Oberlippe und Nase.
Einige Behinderungen treten erst nach Jahren auf. Dazu gehören Lernschwierigkeiten, gestörte Feinmotorik, Hyperaktivität, fehlendes Sozialverhalten, Hör- und Sprachstörungen, Labilität oder Schlafstörungen. Der Grad der Behinderung hängt davon ab, wie viel die Mutter in der Schwangerschaft getrunken und wie gut ihr Körper die Schadstoffe abgebaut hat. Es gibt Schwangere, bei denen schon ein geringer Alkoholkonsum schwerwiegende Schäden beim Baby hervorgerufen hat. Die Kinder leiden ein Leben lang unter den Folgen des Alkoholkonsums.
Weiterführende Literatur:
Kainer, Nolden, Schobel: Das große Buch zur Schwangerschaft: Umfassender Rat für jede Woche. 2009.




