07.01.2010

Immer mehr Kaiserschnitte

Vertrauen Sie auf Ihre Fähigkeiten

Julius Cäsar ist angeblich so zur Welt gekommen. Daher der Name Kaiserschnitt. Damals, im alten Rom, war das kleine Kaiserschnittkind ein Exot. Heute hat sich das geändert. Fast drei von zehn Kindern schlüpfen heute durch die Bauchdecke ihrer Mutter ins Leben – mehr als doppelt so viele wie Mediziner als sinnvoll erachten.

Gründe für steigende Kaiserschnittrate

Einer der Gründe der gestiegenen Rate ist die Tatsache, dass Frauen heute immer später schwanger werden. Immer häufiger werden Risikoschwangerschaften indiziert, die dann einen Kaiserschnitt zur Folge haben. Vermehrt tauchen auch Probleme auf, die mit Übergewicht zusammenhängen. Gleichzeitig gibt es im Vergleich zu vergangenen Jahren immer mehr Frühgeburten und Mehrlingsschwangerschaften, die Kaiserschnitte nahe legen.

Auch wünschen sich immer mehr Schwangere einen Kaiserschnitt ohne medizinische Notwendigkeit. Viele haben Angst vor den Schmerzen oder um das Kind. Hier sind Aufklärung und Einfühlungsvermögen der Geburtshelfer gefordert, Schwangeren Vertrauen zu geben und die Angst zu nehmen.

So oder so: Ängste lassen sich nicht mit dem Messer lösen. Wer sich allein aufgrund übertriebener Ängste unters Messer legen will, sollte deshalb überdenken, ob es nicht an der Zeit ist, genau diesen Ängsten nun Lebewohl zu sagen. Es geht ja nicht um eine Spontanentbindung ganz allein und ohne jede Hilfe, sondern um einen medizinisch sorgfältig überwachten natürlichen Prozess, in den bei Komplikationen jederzeit eingegriffen werden kann.

Vorteile einer normalen Geburt

Die Vorteile einer normalen Geburt sind nicht zu unterschätzen. Das Gefühl, ein Kind aus eigener Kraft geboren zu haben, macht die überwiegende Anzahl der Frauen unbeschreiblich glücklich und zufrieden. Die Geburt ist sozusagen nicht nur der natürliche, sondern auch der angemessene Abschluss einer (meist ja doch zumindest gegen Ende anstrengenden) Schwangerschaft. Nach einem Kaiserschnitt werden viele Frauen zudem nicht mehr so leicht schwanger, weil die Narbe in der Gebärmutter das Einnisten des befruchteten Eis behindern kann. Außerdem fallen bei einer natürlichen Geburt sämtliche mögliche OP-Komplikationen (Narkose, Thromboserisiko usw.) weg

Medizinische Gründe für einen Kaiserschnitt:

  • Plazenta praevia, d.h. wenn der Mutterkuchen vor dem Muttermund liegt
  • Sauerstoffmangel während der Geburt
  • mehrfach vorausgegangenen Kaiserschnittentbindungen (erhöhtes Rupturrisiko)
Eine Vaginalentbindung hat auch für die Babys Vorteile. Es gibt Hinweise dafür, dass Neugeborene nach einer normalen Geburt weniger Anpassungsstörungen und fünf Mal weniger beatmet werden müssen, als Kaiserschnittbabys. Normal entbundene Babys sind zudem einfach fitter als plötzlich aus der wohligen Wärme herausgerissene Kaiserschnitt-Kinder. Eine Vaginalentbindung fördert das kindliche Immunsystem, da das Baby bei der Geburt mit den Bakterien der Darm- und Vaginalflora seiner Mutter beimpft wird.

Weiterführende Literatur:  

Oblasser, C./Ebner, U./ Saling, E./Wesp, G.:  Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht. 2008.

 

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