25.05.2010

Wochenbettdepression

Stimmungstief nach der Geburt nicht selten

Die Geburt ist gut verlaufen, die Mutter ist wohlauf und das Kind ist gesund. Da erwartet alle Welt, dass die junge Mutter überglücklich ist. Doch häufig kommt es ganz anders. Zwei Drittel aller Mütter durchlaufen nach der Geburt erst einmal das Tal der Tränen. Statt großer Freude und Mutterglück machen sich dunkle Gedanken und zwiespältige Gefühle breit.

Drei Formen der Wochenbettdepression

Die als Babyblues oder auch als Heultage bezeichneten Stimmungsschwankungen sind relativ harmlos. Sie treten um den dritten Tag nach der Geburt auf und sind nach wenigen Tagen wieder vorüber. Die meisten Mütter sind vom Babyblues betroffen. Häufige Weinattacken, plötzliche  Müdigkeit, Erschöpfung und Traurigkeit sind Anzeichen dafür. Die Gründe sind vielfältig. Viele Frauen sind noch verletzlich von der Geburt und spüren eine schmerzende Naht. Auch der Milcheinschuss und die hormonelle Umstellung des Körpers verstärken dieses Stimmungstief. Mit viel Geduld und Zuwendung kann die kurze Krise überwunden werden.

Dauert die Stimmungsschwankung länger als zwei Wochen, und werden die Beschwerden immer schlimmer, könnte sich auch eine Wochenbettdepression  entwickelt haben. Die Depression entwickelt sich häufig schleichend und kann bis zu einem Jahr nach der Geburt auftreten. Die Frauen sind wie gelähmt, sie entwickeln keine Gefühle zum Kind, können es nicht beruhigen und haben das Gefühl, alles falsch zu machen. Die Symptome werden häufig aus Scham ignoriert und den veränderten Lebensumständen zugewiesen. Die Wochenbettdepression sollte medizinisch behandelt werden, da sie nicht von alleine verschwindet.

Die Wochenbettpsychose ist die schwerste Form der psychischen Erkrankung nach der Entbindung. Nur 0,1 Prozent aller jungen Mütter erkranken daran. Die Betroffenen leiden unter Verfolgungswahn, Halluzinationen und haben Suizid- und Tötungsgedanken gegenüber dem Kind. Die Angst, dem eigenen Kind Schaden zuzufügen, wird übergroß. Ein stationärer Aufenthalt ist hier unbedingt erforderlich, um die gestörte Beziehung zwischen Mutter und Kind zu sichern. Das Leben von Mutter und Kind ist in Gefahr.

Postpartalen Depressionen vorbeugen

  • Fordern Sie Zeit für sich ein. Bitten Sie Ihren Partner, Eltern und Freunde, Ihnen das Kind regelmäßig für einige Stunde abzunehmen. Nutzen Sie diese Zeit, um ausschließlich etwas für sich zu tun. Nehmen Sie ein schönes Bad und legen Sie dabei eine erfrischende Gesichtsmaske auf oder lesen Sie den Roman, den Sie schon immer lesen wollten. Auch Musik hören oder ein Spaziergang an der frischen Luft entspannt und bringt neue Energien. Treffen Sie sich mal ganz alleine mit Ihrer besten Freundin.
  • Bauen Sie Vertrauen zu Ihrer Hebamme, Ihrem Frauen- und Kinderarzt auf. Sie sind eine ganz wichtige Schnittstelle in der Mutter-Kind-Beziehung. Bei der Nachsorge können sie am ehesten auf entstehende Depressionen oder Psychosen aufmerksam werden.
  • Reden Sie offen über Ihre Gefühle, auch wenn es Sie große Überwindung kostet. Suchen Sie ärztliche Hilfe. Ist eine Depression erst einmal erkannt, bestehen gute Heilungschancen.

Weiterführende Literatur:

Salis, Bettina: Psychische Störungen im Wochenbett. 2007.

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